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40.41. SEMAINE OLYMPIQUE FRANCAISE 19. – 24. April 2009, Hyeres

Zum Auftakt der prestigeträchtigen Semaine Olympique Francaise verbuchen Österreichs Asse tolle Einzelerfolge

Sylvia Vogl und Carolina Flatscher, die vergangene Woche kurzfristig getrennte Wege gingen, bleiben weiterhin auf ihrer Erfolgswelle. Vogl – die vom Hochsee-Klassiker Round Palagruza, einem drei Tage andauernden Nonstop-Race mit sehr wenig Schlaf angereist kam – zeigte sich von Beginn weg hellwach und übernahm mit ihrer Tiroler Vorschoterin die Führung. Kurz vor dem Ziel mussten die Österreicherinnen den möglichen Sieg aber aufgrund eines taktischen Fehlers abgeben und wurden vierte. Nach drei allgemeinen Frühstarts ging eine zweite, durch sehr wenig und obendrein löchrigem Wind erschwerte Wettfahrt, in Szene. Die Palma-Siegerinnen hatten auf der ersten Kreuz kein glückliches Händchen, arbeiteten sich aber in Folge von Rang 18 mit viel Einsatz und kühlem Kopf sukzessive nach vorne. Im Ziel auf Rang fünf, sprach Vogl von einem „sehr schwierigem und chaotischen Tag.“ Zwischenzeitlich auf Rang zwei, sind die amtierenden Europameisterinnen voll auf Kurs.

Die launischen Windverhältnisse sorgen am Tag 2 vor Hyeres für zum Teil chaotische Zustände

Nach ihrem gestrigen Sieg am Grünen Tisch – Sylvia Vogl und Carolina Flatscher gewannen ihren Protest gegen Stepanova/Lukashova (RUS) und rückten damit auf Platz zwei vorn – klappte auch am Wasser zunächst alles nach Wunsch. In Durchgang eins auf Rang acht wurden die Damen anschließend buchstäblich im Regen stehen gelassen. Nach einer vierstündigen Startverschiebung kam es auf der 470er Bahn doch noch zu einer weiteren Entscheidung, vorweggenommen eine, die der Wettfahrtleitung den Unmut der Aktiven einbrachte. Nach einer Runde aufgrund des sterbenden Windes verkürzt, stellte ein 60 Grad Winddreher das Klassement völlig auf den Kopf. Die Palma-Siegerinnen, als Fünfte bestens am Weg, kamen zum Handkuss und wurden auf Rang 24 durchgereicht. Zwar in bester Gesellschaft, „das nützt uns aber leider recht wenig“, so Vogl, die von einem schlechten Scherz sprach. „Die See war spiegelglatt, wir haben mit Müh und Not das Zeitlimit geschafft, das sagt im Prinzip eh schon alles.“ Zwischenzeitlich auf Rang sieben, allerdings mit lediglich fünf Punkten Rückstand auf Platz drei, bleibt das Duo voll im Rennen.

Österreichs 470er Damen antworten am 3. Tag auf das gestrige Chaos mit einem Tagessieg und übernehmen beim Frankreich-Weltcup die Gesamtführung.

„Das war ein Witz und hatte mit Segeln wenig zu tun“, ließ Sylvia Vogl ihren Ärger über die gestrige Chaoswettfahrt unverblümten Lauf. Was die Oberösterreicherin – die mit Carolina Flatscher eine geniale Achse bildet – bei fairen Verhältnissen zu leisten im Stande ist, hat man heute vor allem in Durchgang eins gesehen. Das 470er Duo ging aggressiv in die Vorstartphase, kam perfekt in die Gänge und hatte die Konkurrenz schnell unter Kontrolle. Im Ziel betrug der Vorsprung der Europameisterinnen, die ihren Titel in sechs Wochen (08.-14. Juni) auf dem Traunsee verteidigen werden, mehrere Hundert Meter. „Wenn dir im Anschluss die Trainer deiner Gegnerinnen gratulieren, ist das schon eine tolle Sache“, jubelte die 33-Jährige, die „natürlich mit etwas Wut im Bauch an den heutigen Tag herangegangen ist.“ In Durchgang zwei, der in Summe sechsten Wettfahrt, ließ der Wind wieder etwas aus, zu Beginn konservativ über der Mitte gesegelt, kreuzten Vogl/Flatscher als viertes Team die Linie. In Summe ein perfekter Tag, denn die Palma-Siegerinnen übernahmen die zwischenzeitliche Führung. „Wir haben gerade einmal Halbzeit und noch einiges vor uns, der heutige Tag wird uns aber lange in bester Erinnerung bleiben“, strahlte Flatscher mit ihrer Steuerfrau um die Wette. Die Däninnen Henriette Koch und Lene Sommer, bis dato an der Spitze, folgen mit vier Punkten Rückstand.

Und täglich grüßt das Murmeltier – auch am 4. Tag musste lange auf Wind gewartet werden, ehe der Frankreich Weltcup an der Cote d´Azur gegen 15:00 Uhr fortgesetzt wurde. Die langen Tage und Überstunden nehmen in Hyeres demnach kein Ende, von allzu viel Wind konnte auch am ersten Finaltag keine Rede sein.

Sylvia Vogl und Carolina Flatscher mussten sich heute in Durchgang eins zwar der unmittelbaren Konkurrenz aus Dänemark und Holland knapp beugen, hielten sich aber mit Platz vier schadlos. In der darauf folgenden, insgesamt achten Wettfahrt, gelang dies nicht ganz – mit Rang 17 verlor das heimische Duo im Zwischenklassement etwas an Boden. Vor dem letzten Finaltag auf Rang drei, war Vogl naturgemäß nicht ganz zufrieden. „Wir waren am Start in eine Kollision verwickelt und sind als letzte über die Linie. Mehr als Rang 17 war einfach nicht drinnen. Die anderen haben gestern Federn lassen, wir heute, das Ganze ist ein Nervenspiel, es wird wohl bis auf der Zielgeraden spannend bleiben.“ Primäres Ziel sei es, sich für das Medal Race eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. „Am Freitag werden doppelte Punkte vergeben, es ist alles offen.“

Sylvia Vogl und Carolina Flatscher ziehen auf Rang vier in das morgige Medal Race ein. Nach dem sensationellem Sieg vor Palma, die nächste Top-Leistung der beiden Europameisterinnen, die Platz drei im Visier haben. Heute lief mit den Rängen 26 und 16 zwar wenig zusammen, „in Summe und aufgrund der Umstände ist die Serie aber absolut in Ordnung.“ Auch diesmal war taktisches Segeln alles andere als einfach, zwei konkurrierende Windsysteme sorgten für extrem schwierige Verhältnisse. Die Österreicherinnen, jeweils unter den Top ten bei der ersten Bahnmarke, wählten eher die konservative Mitte. „Die Ecken waren letztendlich bevorzugt, mal die eine, dann die andere. Es hat extrem gewürfelt, für uns leider im negativen Sinn“, so Vogl. Morgen erwartet die 470er Damen ein extrem heißer Tanz um Platz drei. „Fünf Boote liegen innerhalb von acht Punkten, das Podest ist möglich, aber so denken die anderen auch.“

Sehr erfreulich die Leistung von Sylvia Vogl, die mit Vorschoterin Carolina Flatscher dank eines fulminanten Auftritt im abschließenden Medal Race tatsächlich noch den Sprung auf das Podest schaffte. „Wir haben heuer bei Starkwind kaum trainiert, umso erfreulicher war das sichere Handling“, jubelte das Duo, das den dritten Gesamtrang erst unmittelbar vor dem Ziel sicherstellen konnte. „Wir haben wie verrückt gearbeitet und das spanische Team buchstäblich nieder gefightet“, sprach die Tirolerin Flatscher von „einem packenden Duell auf Biegen und Brechen.“ Im Ziel zweite, konnten die Europameisterinnen nach dem Palma-Sieg auf „drei wirklich starke und extrem befriedigende Segelwochen zurückblicken“.

 

470er Damen, 33 Mannschaften, 10 Wettfahrten+MR+ 1 Streicher:

  1. Henriette Koch/Lene Sommer          DEN     35
  2. Margriet Fokkema/Marieke Jongens  NED     46
  3. Sylvia Vogl/Carolina Flatscher    AUT     63
  4. Tara Pacheco/Berta Betanzos           ESP     64
(Bericht ÖSVE)